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Bukarest und seine Turisten
Cool Romania

Die wenigen Reisebüros, die einen Urlaub in Rumänein vorschlagen, sagen fast nichts über die Hauptstadt des Landes.
Was schlagen sie aber vor ? Eine Art Stadtrundfahrt vom Palais des Volkes und dem Boulevard der Vereinigung bis zum Volksmuseum, das Königliche Palais, Hanul lui Manuc, Carul cu Bere, und natürlich Stavropoleos, die Kirche davor, und manchmal bis zur Patriarchie oder zum berühmten pasaj (Durchgang) der Calea Victoriei, und das wäre alles ...
Angeboten werden dann noch die Hotels und die Restaurants mit Klimaanlage, eine typische Mahlzeit mit Zigeunermusiker oder Tänzer, die für diese Gelegenheit bestellt wurden, einige Einkäufe in den Läden, die noch Volkskunstgegestände verkaufen, und dann schon wieder weg, in die sehenswerte Bukovina oder in die malerische Maramures, an die Schwarzmeerküste um sich zu bräunen oder eine kleine Fahrt mit dem Boot auf den Kanälen des Donaudeltas.
Die meisten Aufenthalte in der Hauptstadt dauern nicht länger als drei oder vier Tage, im besten Fall. Und, bei der Heimkehr sind die Kommentare immer zahlreich und klingen etwa so :
Rumänien ? Warum nicht, aber nicht Bukarest.
Wir würden gerne nochmals hinfahren, an einem Dorffest teilnehmen, wo Tuica (rumänischer Schnaps) getrunken wird, doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dieser Welt und Bukarest, einen Unterschied, den man nicht so leicht überwinden kann und will, wenn man auf den Straßen in Bukarest überall Schlaglöcher antrifft und wo die Gehsteige wellenartig sind....
In diesem Fall braucht man sehr viel Mut, um eine neue Reise in dieses Land zu buchen oder sich nur vorzunehmen. Und doch....
Es gibt schon einige Leute, die das Abenteuer lieben und die noch wiederkommen und die mit jeder neuen Reise weitere kleine Wunder dieser liebenswerten und geheimnisvollen Stadt entdecken. Hinter seiner Modernität, seinen Werbeplakaten und seinen schicken und offiziellen Gebäuden, versteckt Bukarest noch kleine Straßen, wohin niemand geht, denn man muss ja sicher zuerst das schlechte Pflaster überwinden. Man sollte aber nicht vergessen, auch nach oben zu schauen, auch dann wenn es dringend nötig ist auf den Weg zu achten, um nicht hinzufallen. Man sollte einfach die Risse und Spalten ignorieren, um die Wunder und die vergangene Pracht der Architektur, die wiederentdeckt werden will, zu sehen.
Das nötige Geld fehlt, aber eine riesige Baustelle für die Rehabillitierung entsteht und jedes Jahr stellt man kleine Veränderungen fest, die die Stadt immer anziehender machen.
Es ist nicht mehr das kleine Paris des Balkan. Jetzt, wo das Englische die legendäre Frankophonie verdrängt (die Informatik zwingt dazu !), in einer Zeit, wo die Architektur eher den amerikanischen Traum als den französischen Klassizismus nachahmt, oder wo Coca Cola den Likör besiegt hat, oder wo die schönsten Privathotels, ausser den offizielen Gebäuden und den Museen von den Investoren gekauft werden und zu Banken, Sozialsitzen der Gesellschaften werden oder im Besitz derjenigen bleiben, die nach der schon bekannten Redewendung « es geschafft haben ».
Die zwischenkriegszeitliche Benennung für Bukarest - « Klein Paris  », ist nicht nur veraltet sondern im großen und ganzen auch falsch. Denn ausser einigen Boulevards im Haussman-Stil, hat die Stadt nicht Vieles gemeinsam mit einer französischen Stadt. Es ist eher ein kurzer literarischer und politischer Blick zum westlichen Freund, dessen Sprache man so gut beherrschte. Man vergisst sehr oft zu sagen, dass eine grosse Anzahl der Bücher im Französischen geschrieben wurden : Nicolae Iorga hat mehrere Werke in der französischen Sprache geschrieben, Dimitrie Cantemir ist ein französischsprechender Dichter, der unter den französischen « Immortels » (Mitglieder der französischen Akademie) gewählt wurde und viele andere, deren Namen wir leider aus Platzmangel hier nicht erwähnen können.
Noch mehr, dieses Bild, das man besser vergessen sollte, ist eher symbolisch, ansonsten nährt es nur die Vorstellung von Bukarest, die sich die Touristen machen, bevor sie her kommen. Man erwartet Paris zu sehen, warum nicht Louvre oder den Eiffel Turm ? Stattdessen sieht man nur einen einfachen Triumfbogen, wenn man sich für seine Geschichte nicht interessiert, die Strassen Magheru und Carol I, deren Gebäude, mit mehr oder weniger klassizistischer Prägung es mit denen der französischen Hauptstadt nicht aufnehmen könnten... Und trotzdem, kann man ihnen eine gewisse Schönheit nicht leugnen.
Natürlich entdecken die Touristen auch solche Gebäude, die ans Morgenland erinnern, Häuser im brancovenesc Stil, mit seinen Bögen, kleine byzantinen Kirchen, Straßenmärkte auf Lipscani oder auf den kleinen Märkten in den Vierteln, bunt, unordentlich und laut, die ein wenig an die souks erinnern. Doch dieser Exotismus trägt nicht dazu bei, die Enttäuschung zu vergessen, nicht das Paris, das man zu finden erwartete, gefunden zu haben...
Nun, was ist Bukarest, werden Sie mich fragen ?
Es ist ein wenig von diesem, natürlich, oder manchmal noch schlimmer in seinen « Wohnblöcken », Erbe der kommunistischen Zeit, von denen Sie nur wenig gesehen haben. Es sind diese kleinen Strassen mit vielen Schlaglöchern nach einem harten Winter und den immer unbeendeten Wiederaufbauarbeiten ; es sind diese armseligen Viertel, die von seinen Bewohnern verlassen wurden, weil sie nicht mehr genug Geld haben, ihre Wohnungen zu unterhalten, und die immer mehr von Zigeunern übernommen wurden. Die Zigeuner, die von überall kommen und wahre Städte in der Stadt bilden, Stadtteile durch die man mit einer stummen Unsicherheit geht, denn sie zeigen ein Gesicht, das wir bei uns zu Haus vergessen haben, obwohl wir sie alle, wie in allen großen Städten der Welt, seien sie reich oder arm, haben.
Aber Bukarest zu sehen, wenn man sich die Zeit dafür nimmt, ist eine ganz andere Geschichte. Wir sollten vorerst alle Vorurteile und alle Klischees vergessen und versuchen die Oberflächlichkeit zu überwinden. Wenn wir es möchten oder wenn unser Programm so aufgestellt ist, könnte man mal den megalomanischen Kitsch der Machtpyramide besuchen, der noch viele Jahrhunderte über diese Märtyrer-Stadt, die noch eine lange Zeit brauchen wird, um seine Wunden zu heilen, stehen wird. Wir sollten aber nicht vergessen, das Kloster Antim oder die ganz kleine Kirche Sf. Spiridon, die seit kurzem restauriert wurde, zu besuchen. Von dem Vereinigunsplatz/ Piata Unirii sollten wir einen kurzen Blick auf die Hochhäuser der 30er werfen, und zwar auf das andere Ufer des Flusses Dâmbovita. Gehen wir doch hinter die Betonblöcke auf der Suche nach denjenigen Gassen oder Plätzchen, wo das Leben dem Leben in allen Dörfern Rumäniens ähnlich ist ! Dort sollten wir fröhlich mit der Zigeunerin-Blumenverkäuferin um einen Blumenstrauß handeln, den sie uns in die Arme legt und mit ihrer ganzen Überzeugungkraft versucht uns dazu zu bringen, den Strauss zu kaufen und zwar für einen Preis, den sie für ihre ganze Ware erhalten könnte. Gehen wir durch die Märkte spazieren, wo man alles kaufen kann, Nahrungsmittel und Werkzeuge, die von einem genialen einheimischen Handwerker gebaut werden, und die wir ziemlich schwer in einem unseren Supermärkten für Hobby-Bastler kaufen könnten. Bleiben wir für eine kurze Zeit vor den einigen Brunnen, die es noch gibt stehen ! Treten wir doch in die Stuben ein, denen man schwierig die Benennung Laden geben kann ! Bleiben wir offen für jedes Ereignis oder für jeden Unfall, denen wir hie und da begegnen könnten.
Besuchen wir doch die zahlreichen Kustmuseen, das Nationalmuseum für Geschichte, die berühmten Gebäude, wie zum Beispiel das National-Theater oder das Ion Creanga Theater für Kinder, aber auch andere wichtige Stätten der rumänischen Kultur, wo die Vergangenheit und die Gegenwart eines Volkes aufeinandertreffen, ein Volk, das heute noch nicht richtig geschätzt wird.
Gehen wir doch am Sonntag, mit der Familie in einen den zahlreichen Parks der Stadt spazieren ! Lassen wir unsere Blicke herumirren, auf einen der Seen, die die Stadt einem Kurort sehr ähnlich machen. Besuchen wir die Umgebung der Stadt, die Palais Mogosoaia und Potlogi, die Klöster Marcuta und die Kirche Fundenii Doamnei, die Klöster von Caldarusani, wo man sechs Bilder von Nicolae Grigorescu bewundern kann, oder die Klöster von Balamuci, Plumbuita, Pasarea, Cernica, über die wir gar nicht sprechen werden, oder zu dem nicht sehr weit gelegenen Kloster von Snagov, über das wir nur das sagen werden : hier ist das Grab von Vlad Tepes ...
Und wenn wir auch noch Glück haben, werden wir uns kleinen Kindern nähern dürfen, die in den Grundschulen Französisch, Englisch oder Deutsch lernen. Kinder, die lernen wollen, aber die auch selbstverständlich sofort sehr gern spielen, wenn ihnen diese Möglichkeit geboten wird.
Also, nach all diesem, werden wir uns ein wenig der Seele dieser Stadt nähern und ein wenig von ihrem Genie entdecken. So werden wir in unseren Erinnerungen und in unseren Herzen das gesamte Bild entstehen lassen können. Denn Bukarest hat eine strahlende Seele, die alle Schwierigkeiten überleben hat.
Das ist das Bukarest der Bewohner, mit denen wir manchmal das Glück haben Kontakte zu knüpfen, ohne sie immer zu sehen, manchmal sie in einem Teil ihres Lebens zu begleiten, und die uns einen Teil ihrer Menschlichkeit mitteilen, die sie viel besser als wir zu erhalten gewusst haben....
Nun ? GEHEN SIE HIN UND SEHEN SIE SELBST....


© Photos : E. Roussel

Übersetzung : Mihai Draganovici



Warum dieses, warum jenes,
Fragen Sie das nicht,
GEHEN SIE HIN UND SEHEN SELBST
...








Forum de l'article

  • Bukarest und seine Turisten

    26.09.2005

    War scho einige Male in Bukarest. Aufgeräumt und etwas gesäubert war die Stadt nur als der Papst vor6 Jahren hier war. Ansonsten kann man die Menschen hier bedauern : Lärm, Dreck u. Staus überall. Man ist froh, wenn man aus diesem Moloch mit ihren Käfigwohnungen herauskommt. War schon in fast allen europäischen Haupstädten. Bukarest bleibt unvergessen was "Kudelmudel" anbelangt.




    26 septembre 2005
    • Bukarest und seine Turisten
      Mit Kuddel'muddel, aber doch so lebendig und menschlich ! Vielleicht hatten Sie nicht Zeit genug, um Bucharest abzudecken ? Schade !

      30 septembre 2005, par Eliane

Bukarest, eine Stadt, ein Herz...
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Jugendstil in Bukarest



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