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Also doch noch nach Rumänien !



Aber wie ? humanitär-isch ? tourist-isch ? hilton-isch  ? natur-isch ? wie ich es fühl-isch ? einfach so !
Es ist schon viel auf Ebene der humanitären Hilfsaktionen unternommen worden. Darüber wäre viel zu schreiben, Gutes und vielleicht auch weniger Gutes : Zwischen Helfenden und Geholfenen schnüffeln hier und da die üblichen Haie : So was passiert ja nicht nur bei uns, und wäre leider kaum zu vermeiden.
Wichtiger ist, dass man ein für allemal eines versteht : Rumänen brauchen keine Wohltäter ; nichts ist für sie schwieriger, als etwas von Unbekannten geschenkt zu bekommen, ohne dass sie sich revanchieren können. Sie sind stolze Leute. Und stolz sind sie nicht auf das, was sie haben, sondern auf das, was sie sind. Uns wenn sich mal der "rumänische Minderwertigkeitskomplex" äussert, ist es nur die Kehrseite dieses daco-romanischen Stolzes. Man sollte darüber nachdenken, bevor man sich mit irgendeinem Hilfsverein anknüpft.
Viele westliche Gemeinden haben heute eine "Patengemeinde" in Rumänien. Schon der Begriff deutet auf Wohltätigkeit : Wir im Westen sind die Erwachsenen, ihr im Osten seid die Kinder- wir verpflichten uns, euch auf dem richtigen Weg zu führen-. Wir haben viel, ihr habt wenig- wir werden euch einen Teil aus unserem Überfluss geben-. Wir sind die Grossen, ihr seid die Kleinen- wir werden eure Fehler verbessern und euch die Gebete an unseren $-Gott lehren-.
Karikatur ? Leider kaum : So funktioniert manche gute Seele in ihren Tiefen.
Um ehrlich zu bleiben, soll ich sagen, dass ich hier in Frankreich sowie auf den rumänischen Strassen vielen Leuten begegnet bin, die Rumänien durch solche Vereine oder Patenschaften entdeckt, sich ins Land verliebt, Freundschaften mit Rumänen geschlossen haben. Die Aktion ist für sie ein Anfang gewesen, in einer Wendezeit, wo es noch schwierig war, privat nach Rumänien zu fahren.
Ausserdem kann aus Patenschaft Partnerschaft werden, wie ich es von einem Mitbürger erfahren habe : Mit ein paar Bekannten vom Verein hatte er einem arbeitslosen Müller eine bescheidene Summe geliehen, damit er eine alte Mühle wieder in Gang setzen könnte. Es ging, die Investitien lohnten und die Zinsen wurden nach drei Jahren investiert, diesmal in eine Bäckerei. Eine zweite war schon geplant….Ich halte das für ein Beispiel für kluge, respektvolle, in einer liberalen Umgebung wirtschaftlich mögliche…Wohltat.
Dieses "Rumänien der Freundschaft" lässt sich aber nicht so leicht gewinnen. Dazu muss man selber einiges schon unternehmen. Unsere westlichen Werte (ausser der US-$…) gelten nicht unbedingt überall, wie auch unsere Bräuche und Lebensgewohnheiten. Es ist in Rumänien desto wichtiger, als manches einem erst vertraut vorkommt.
So die Sprache : hier und da tauchen Wörter oder Sätze auf, die wir gleich begreifen-einfach weil es sich um französische Wörter handelt- aber es dauert nicht sehr lange, bis wir uns wieder im fremden Land fühlen…Zum Glück wird gleich einen gerufen, der "in Frankreich gelebt hat", und tatsächlich spricht der junge Zimmermann fliessend unsere Sprache, mit Konjunktiven sogar ! "ich habe es schon in der Schule gelernt".
Das Gespräch setzt sich in der Kneipe fort. Nach einer Stunde bin ich total besoffen. Ach, du liebe Tsuica ! Zum Glück hat meine Frau nur "Suc" -Soda- trinken dürfen, da ist unser neuer Bekannter kategorisch gewesen : "Damen trinken Suc" ! Ein Versuch, zum Thema "Gleichberechtigung zum Trinken" scheitert. Ob er das Wort verstanden hat ? Bestimmt. Aber in Rumänien ist Gleichberechtigung schon weiter gekommen als bei uns in mancher Hinsicht. Insbesondere, was das berufliche Leben betrifft . Ansonsten bleibt die Gesellschaft eine Traditionelle : Rechte und Pflichten in der Familie werden von der Sitte festgestellt und -streng oder weniger streng-gehalten. Wie immer erhält "die Dame" zum Abschied einen Handkuss…
Vor dem Tor zum Kloster betteln ein paar Frauen, alte und jüngere, oft mit Kindern : Da sollte man unterscheiden können : Rumänen geben ihren Alten und Behinderten gern ein paar Grosschen, aber "ihre" Zigeunerinnen und Zigeunerkinder weisen sie meistens ab….Was wir auch darüber denken mögen, ist es so. Zigeuner… sie werden auch von den gebildetesten Rumänen verachtet, verabscheut, ja gehasst, aber… keine Hochzeit ohne Musik, und da sind Zigeuner willkommen, und meistens werden sie grosszügig beschert. Wären sie zufällig Sündenböcke, die man doch füttern muss, bevor man man auf sie mit Steinen wirft ? Ehemaliger kaufmännischer Angegestellter, jetzt arbeitslos, unser Freund G. hat einen Job gefunden. Sein Boss : eine Zigeunerfamilie, die auf den Märkten Stoff und Kleider verkauft. Er fährt den Kombi, und muss darin übernachten, um die Waren zu beaufsichtigen. "Wegen Zigeuner", sagt er mit einem Lächeln…." Ich will nicht nach Frankreich", sagt die junge, bildhübsche Akademikerin auf perfektem Französich, "Die Leute dort würden sagen, ich sei eine Zigeunerin"….
Es hat geregnet. Der Mercedes aus den 80er Jahren hält in einer grossen Pfütze. Während die Fahrerin aussteigt, nähern sich zwei Ferkel, die sie mit der Fussspitze und vielen unbegreiflichen Schimpfwörtern wegscheuchen muss….
Vor uns auf der Strasse ein Reiter : Der Mann hat einen Reifenschlauch umgehängt. Rechts ein Schild : "Vulcanisare" -Reifenreparatur-. Er biegt in die Gasse zur Werkstatt ab….
Vier Pferde mitten auf der Landstrasse, darunter ein Fohlen. Ich halte. Kurzer Blick der Tiere auf den Störer. Hupe. Sie machen sich im Senatorschritt auf den Weg zum Strassenrand. Halten doch nach drei Meter wieder. Es ist genug Platz links. Wir fahren weiter….
Ein Leiterwagen geht seinen Weg. Oben, im frischen Heu, sitzt ein junger Mann. Er hat einen komischen, wassermelonenförmigen, schwarzen Hut auf dem Kopf und ein Handy in der Hand. Das Gespräch soll ihn erheitern, denn man sieht ihn lachen….
Sonntag, Anfang des Nachmittags. Sie sind alle da. Der Grossvater in Tracht mit der kurzen Weste-er war heute früh in der Klosterkirche-, der Vater im westlichen Anzug mit Schlips, die Tochter, erst 5, mit ihren roten Bändern im Haar -gegen Unheil- , die Zwillinge in ihren ewigen Jeans. Die Mutter ist noch beim Geschirrspülen draussen im Hof. Es wird gesprochen, gestritten, sehr laut, denn das laut eingestellte Fernsehen irgendein lautes Schlagzeugsolo aus irgendeinem lauten hauptstädtischen Konzertsaal überträgt…Über zweitausend Kilometer weit von unserem blauen Mittelmeer, fühlen wir uns zu Hause….
Klosterbesichtigung. Vor der Kirche brennen links und rechts des Tors kleine Kerzen. Rechts für die Lebenden, links für die Seligen. Das hat uns ein Freund erklärt "Tote und Lebende bedürfen unserer Gebete". In der Kirche leise Touristen, und ein paar Damen, die beim Stricken ruhig plaudern….
Man sieht es an diesen einigen aus hunderten von Kurzaufnahmen : In Rumänien erleben wir gleichzeitig Gegenwart und Vergangenheit. Und es ist für uns, bald sechzigjährige, als ob hier in diesem Land bei diesen Leuten das Puzzle unseres bisherigen Lebens wiederzusammengesetzt wäre. Es hat in den Jahren der deutschen Besatzung angefangen. Als wir Kinder waren, war Frankreich in mancher Hinsicht dem heutigen Rumänien sehr ähnlich - wenigstens auf dem Land-. Unsere Eltern waren weder arm noch reich. Wasser gab es bei mir erst 1952 in der Küche, mittels einer Handpumpe, die direkt aus dem Brunnen im Garten saugte. Für ein Badezimmer war kein Platz, und die Toilette war ein Holzhäuschen hinten im Garten….Wir Kinder waren immer draussen, und die Eltern schimpften und lachten abwechselnd, pflanzten Gemüse für die Schnecken uns sonntags assen wir eine Ente aus dem Bauernhof nebenan -nicht ganz billig- zu Pilzen, die wir im Wald "gejagt" hatten. Später reparierten wir alte Fahrräder, führten gegen andere Dorfskinder echte Kriege mit wechselnden Allianzen, hatten Krach mit dem oder dem Nachbarn….Gingen zur Schule, und führten manchmal die Kühe in die Wiesen, gingen in Sonntagskeidung in die Kirche. In dieser Welt haben wir unser Wertsystem erworben. Dann hat sich alles beschleunigt, Gymasium, Studium, Beruf, Ehe, Kinder….Unsere Werte sind inzwischen altmodisch geworden, sozusagen verbleicht. Keine anderen aber hätten sie ersetzen können, und bestimmt nicht die Gier nach mehr, immer mehr Haben, mit der wir uns jedoch abgefunden haben -man lebt ja mit seiner Zeit, wenn man leben will-.
In Rumänien sind unsere Werte wieder erwacht. In diesem Land, bei diesen Leuten gelten sie immer noch. Sie haben fast ein halbes Jahrhundert Tyranei überlebt, wie sie immer zu überleben wussten. Diese Werte machen es möglich, dass man Freundschaften anknüpft, die echte Freundschaften sind ; dass man echte, direkte Solidarität ausüben kann, ohne Hintergedanken oder wegen Steuerreduzierungen ; dass man sich Mensch unter Menschen fühlen kann. Und das haben wir bisher in keinem anderen Land aus dem ehemaligen Ostblock erlebt, obschon wir auch dort Gastfreundlichkeit genossen haben, und offenen Leuten begegnet sind….
Der Junge am Strassenrand beaufsichtigt sein Büffelkalb, oder vielleicht umgekehrt ? Wir Fragen ihn nach unserem Weg. Er antwortet auf Englisch. Bittet uns dann nach einer Zigarette. Wir lehnen die Bitte ab , schenken ihm aber eine Tafel Schokolade aus unserem dazu bestimmten Vorrat. Er dankt und spricht weiter : "You know, I am very interested in computers, so I learn English at school. Have you got a computer ?" Ich nicke."Its good, good. I hope I can get one later, when we are in the West". Ich frage "willst du etwa auswandern ?" Antwort : " Wieso auswandern ? Ich meine, wenn Rumänien europäisch wird".
Ist es zu wünschen ? Wohin führt unser amerikaneuropäischer Liberalismus ? Das ist eine andere Frage, die die Rumänen sich bald werden stellen müssen. Wenn sie eine überraschende Antwort auf diese Frage geben sollten, wäre ich nicht so sehr erstaunt….
Unser Reisetip zu Ihrem Rumänientrip : öffnet alles : Autofenster, Mund zum Grüssen "buna !", Augen -besonders beim Autofahren, wegen der Tiere auf der Strasse- , Ohren natürlich und nicht zuletzt - Ihr Herz.

Jean-Pierre Roussel ( Juni 2000)

© Fotos L. Beaudet

Übersetzung : Mihai Draganovici 


Warum dieses, warum jenes,
Fragen Sie das nicht,
GEHEN SIE HIN UND SEHEN SELBST...
...




Forum de l'article

  • Also doch noch nach Rumänien !
    je pars en Roumanie ds 8 jours : chanter, car je fais partie d'une chorale depuis peu, située à Ouistreham en Normandie. Mais ce que votre article évoque ressemble beaucoup à ce que j'ai pu connaitre moi même - j'ai 67 ans maintenant - pendant longtemps des conditions au cours desquelles même la possession d'un bout de ficelle était important...puis cette formidable accélération qui, nous fait oublier, que dans d'autres pays, il reste tant de choses à faire ; Grace à cet article j'aurai un regard autrement plus attentif aux personnes et aux évènements. Bien à vous. j hans welter

  • Also doch noch nach Rumänien !

    Merci, je pars le 12.08.2005 pour env. 3 semaines en roumanie !

    pour fair un tour, pour voir et connaitre !

    Vous m'avez donne encor plus l'envie ! !

    Merci, Manfred de Fontainebleau (60 km au sud de Paris)




    4 août 2005, par Manfred

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